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Eine Hand zieht mit dem Bleistift eine Linie auf einem Holzbrett, daneben liegen Hobelspäne.

Ratgeber · Schule und Beruf

Berufswahl mit KI: was sich ändert, und was nicht.

Ihr Kind sucht eine Lehrstelle, und alle reden von KI. Was die Zahlen aus dem Schweizer Stellenmarkt zeigen, wo sie aufhören, und welche Frage beim Schnuppern mehr verrät als jede Statistik.

Stand 21.10.2026Von Jairo, InfobunkerLesezeit rund 5 Minuten

Die kurze Antwort

Kein Beruf wird hier abgeschrieben. Aber wer KI anwenden kann, wird häufiger ausdrücklich gesucht.

Laut PwC Schweiz verlangten 2025 rund 25'000 Stelleninserate KI-Kompetenzen, das sind 1,8 Prozent aller Inserate in der Schweiz. Gesucht werden vor allem Leute, die KI anwenden, nicht solche, die sie entwickeln. Der jobs.ch KI Report von JobCloud zeigt, dass der Anteil der Einstiegsstellen in Berufen, die KI stark betrifft, um 32 Prozent gesunken ist, vor allem im Büro. Im Gesundheitswesen, auf dem Bau, im Handwerk und in technischen Berufen fehlen weiterhin Fachkräfte. 1,8 Prozent ist eine Richtung, keine Mehrheit: Wer heute sagt, ohne KI finde Ihr Kind keine Lehrstelle, übertreibt.

Die Zahlen, und was sie messen

Zwei Schweizer Erhebungen aus dem Juni 2026 tauchen in Gesprächen über KI und Lehrstellen gerade häufig auf. Beide stammen von Unternehmen, nicht von Ämtern, und sie messen Verschiedenes. Wer sie zu einer einzigen Aussage zusammenzieht, liest mehr hinein, als drinsteht.

WerWas gezählt wurdeErgebnis
PwC Schweiz, «AI Jobs Barometer 2026», 15. Juni 2026Stelleninserate, die KI-Kompetenzen verlangen2025 rund 25'000 Inserate, 1,8 Prozent aller Inserate in der Schweiz
PwC Schweiz, dieselbe StudieWer gesucht wird2025 rund 8'400 Profile mehr für Leute, die KI anwenden, 220 mehr für Leute, die KI entwickeln
JobCloud, «jobs.ch KI Report», 24. Juni 2026Anteil der Einstiegsstellen in Berufen, die KI stark betrifft; 7,3 Millionen Inserate, 2019 bis 2022 verglichen mit 2023 bis 202532 Prozent weniger, vor allem in Büro- und Wissensberufen
JobCloud, Befragung von über 3'600 ArbeitnehmendenSorge, durch KI beruflich an Bedeutung zu verlieren41 Prozent der unter 25-Jährigen

Zwei Grenzen gehören dazu. Befragt hat JobCloud Arbeitnehmende, nicht Schülerinnen und Schüler. Und ein Inserat, das KI-Kenntnisse nennt, sagt nichts darüber, ob jemand ohne diese Kenntnisse abgelehnt wird.

Eine Fachperson misst einer Patientin am Arm den Blutdruck.
Gesundheitswesen, Bau, Handwerk, Technik: Dort fehlen laut jobs.ch KI Report weiterhin Fachkräfte.

Unsere Lesart: schwieriger zu bekommen, nicht verschwunden

Für unsere Elternabende gilt eine feste Regel: Wir sagen nie, ein Beruf habe keine Zukunft, weil die Zahlen das nicht hergeben. Was sie hergeben, fassen wir so zusammen: Manche Stellen werden ohne KI-Kompetenz schwieriger zu bekommen, vor allem der Einstieg ins Büro.

Was heisst KI-Kompetenz bei einer Lehrstelle? Programmieren gehört nicht dazu. Gemeint ist, was PwC «KI-Anwender» nennt, und das lässt sich zu Hause üben:

  • Eine Antwort der KI an einer zweiten Quelle prüfen, bevor man sie übernimmt.
  • Wissen, was nie in ein KI-Programm gehört: Namen, Adressen und Fotos anderer Menschen, Passwörter, Zahlen aus dem Lehrbetrieb.
  • Sagen können, wofür man KI benutzt hat und wofür nicht.

Was wir nicht wissen: wie Betriebe in der Ostschweiz KI-Kenntnisse bei Lernenden in zwei oder drei Jahren gewichten. Dazu kennen wir keine Erhebung, und deshalb machen wir auch keine Prognose.

Eine Frage für die Schnupperlehre

Statistiken beschreiben den ganzen Markt. Über den Betrieb, in dem Ihr Kind schnuppert, verrät eine einzige Frage mehr:

Beim Schnuppern fragen

«Was machen die Lernenden im dritten Lehrjahr noch selbst, und wofür nehmen Sie schon Programme?»

Die Antwort zeigt, ob sich ein Betrieb über KI Gedanken gemacht hat und was Ihr Kind dort tatsächlich lernt. Weitere Fragen, die sich lohnen:

  • Dürfen Lernende KI für die Lerndokumentation oder für Berichte verwenden, und wer schaut das an?
  • Welche Programme gehören hier zum Alltag, und wer zeigt sie den Lernenden?
  • Was müssen Lernende am Ende der Lehre ohne Hilfsmittel können?

Ihr Kind kann diese Fragen selbst stellen. Das wirkt im Betrieb meist besser, als wenn die Eltern fragen.

Bewerben mit KI: erlaubt, aber nicht unsichtbar

Ein Motivationsschreiben mit KI zu entwerfen, ist nicht verboten. Es hat aber eine Schwäche: Es klingt schnell wie viele andere. Was wir Jugendlichen raten:

  1. Erst selbst aufschreiben, was man erlebt hat: die Schnupperwoche, das Hobby, den Grund für den Beruf. Diese Sätze kann keine KI erfinden.
  2. Dann die KI bitten, Rechtschreibung und Aufbau zu prüfen, nicht den Inhalt zu ersetzen.
  3. Nichts übernehmen, was nicht stimmt. KI dichtet gern Eigenschaften und Erfahrungen dazu, die gut klingen. Im Vorstellungsgespräch fällt das auf.
  4. Keine fremden Daten eingeben, etwa Zeugnisse mit Namen von Lehrpersonen oder Fotos anderer.

Vorsicht bei Traumjobs

Wer eine Stelle sucht, wird auch zum Ziel. Im Halbjahresbericht 2026/1 schreibt das Bundesamt für Cybersicherheit, dass Stellensuchende gezielt mit vermeintlichen Traumjobs angelockt wurden. Warnzeichen sind ein Angebot ohne Gespräch, das viel Geld für wenig Arbeit verspricht, eine Gebühr im Voraus oder die Bitte, das eigene Konto für Zahlungen zur Verfügung zu stellen. Wer fremdes Geld über sein Konto weiterleitet und annehmen muss, dass es aus einem Verbrechen stammt, macht sich wegen Geldwäscherei strafbar (Art. 305bis StGB).

Wer berät: die Berufsberatung in der Region

Für die Berufswahl selbst sind die kantonalen Beratungsstellen da. Welche Stelle für welche Gemeinde zuständig ist, legt der Kanton fest; im Kanton St. Gallen gehört zum Beispiel Gossau zur Stelle in St. Gallen, Flawil zur Stelle in Wil.

RegionStelleKontakt
ToggenburgBerufs- und Laufbahnberatung Toggenburg, Bahnhofstrasse 32, 9630 Wattwil058 229 05 00, Beratung vor Ort oder online
Wil, Uzwil, FlawilBerufs- und Laufbahnberatung Wil, Obere Bahnhofstrasse 20, 9500 Wil058 229 05 20
Gossau, Andwil, Waldkirch, Gaiserwald, DegersheimBerufs-, Studien- und Laufbahnberatung St. Gallen, Teufenerstrasse 3, 9001 St. Gallen058 229 72 11
ThurgauBIZ Frauenfeld, Amriswil und Kreuzlingen; mit BIZ@school Kurzberatungen in der Schule für die 2. und 3. SekundarstufeBIZ Frauenfeld 058 345 59 55
Appenzell AusserrhodenKantonale Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungberufsberatung.ar.ch

Unser Elternabend nimmt diesen Stellen nichts ab. Er bereitet Eltern darauf vor, zu Hause über KI, Bewerbung und Betrug zu reden, bevor das Kind zur Beratung geht. Nach Wattwil, Wil, Gossau und Herisau kommen wir ohne Anreisezuschlag.

Quellen dieser Seite

  1. PwC Schweiz, Medienmitteilung «AI Jobs Barometer 2026», 15.06.2026: pwc.ch/de/presse/ai-jobs-barometer-2026.html
  2. JobCloud AG, Medienmitteilung «Erster jobs.ch KI Report», 24.06.2026: presseportal.ch/de/pm/100069786/100940888
  3. Kanton St. Gallen, BIZ-Standorte und Zuständigkeit nach Wohngemeinde: sg.ch/bildung-sport/bslb/biz-standorte.html
  4. Kanton St. Gallen, Berufs- und Laufbahnberatung Toggenburg: sg.ch/bildung-sport/bslb/biz-standorte/berufs--und-laufbahnberatung-toggenburg.html
  5. Kanton Thurgau, BIZ-Standorte: abb.tg.ch/berufs-und-studienberatung/biz-standorte.html/3268
  6. Kanton Thurgau, Erste Berufs- und Schulwahl: abb.tg.ch/berufs-und-studienberatung/erste-berufs-und-schulwahl.html/10984
  7. Medienmitteilung des Bundes zum Halbjahresbericht 2026/1 des BACS, 24.08.2026: admin.ch/de/newnsb/vzO9wG1V7K0D-m73EJw8W
  8. Schweizerisches Strafgesetzbuch, Stand 1. Oktober 2026 (Art. 305bis): fedlex.admin.ch/eli/cc/54/757_781_799/de

Alle Quellen wurden am 21.10.2026 auf der jeweiligen Seite gelesen. Gesetzestexte im Stand, den die Bundesverwaltung auf fedlex.admin.ch nennt.

Fragen und Antworten

Was oft gefragt wird.

Ein junger Mann arbeitet konzentriert mit einer feinen Säge an einer Werkbank.
Findet mein Kind ohne KI-Kenntnisse noch eine Lehrstelle?

Nach den Zahlen, die es heute gibt: ja. Laut PwC Schweiz nannten 2025 rund 1,8 Prozent aller Stelleninserate KI-Kompetenzen. Das ist eine Richtung, keine Mehrheit. Wer KI anwenden kann, hat in manchen Berufen aber einen Vorteil.

Welche Berufe sind sicher vor KI?

Eine Rangliste machen wir bewusst nicht, weil keine Schweizer Primärquelle eine belastbare liefert. Der jobs.ch KI Report nennt das Gesundheitswesen, den Bau, das Handwerk und technische Berufe als Bereiche, in denen weiterhin Fachkräfte fehlen.

Muss mein Kind programmieren lernen?

Nein. Laut PwC Schweiz wuchs 2025 vor allem die Nachfrage nach Leuten, die KI im Arbeitsalltag anwenden; bei den Entwicklerprofilen kamen 220 dazu. Wichtiger ist, Ergebnisse prüfen zu können und zu wissen, welche Daten nie in ein KI-Programm gehören.

Darf mein Kind die Bewerbung mit KI schreiben?

Als Hilfe ja, als Ersatz nein. Die eigenen Erlebnisse aus der Schnupperlehre schreibt es besser selbst; die KI kann danach Rechtschreibung und Aufbau prüfen. Was die KI an Eigenschaften dazudichtet, fällt spätestens im Vorstellungsgespräch auf.

Wer hilft konkret bei der Berufswahl?

Die kantonale Berufsberatung: im Toggenburg die Stelle in Wattwil, in der Region Wil die Stelle in Wil, für Gossau und Umgebung die Stelle in St. Gallen, im Thurgau die BIZ in Frauenfeld, Amriswil und Kreuzlingen. Im Thurgau ist die persönliche Beratung laut Kanton kostenlos.

KI, Berufswahl, Betrug: ein Abend für Eltern.

Der Elternabend für die Oberstufe zeigt, wie KI Bewerbung und Lehre verändert, wo die Zahlen enden, und welche Gespräche Eltern zu Hause führen können. Mit Schweizer Fällen und Zeit für Fragen.