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Ein Mann schaut nachts auf das Licht seines Telefons.

Ratgeber · Liebesbetrug

Romance Scam: Wenn die Liebe Geld kostet.

Wochenlang Nachrichten, gemeinsame Pläne, dann ein Notfall. Wie Liebesbetrug abläuft, warum auch kluge Menschen darauf hereinfallen, und wie Sie jemandem helfen, der es noch nicht glauben will.

Stand 21.10.2026Von Jairo, InfobunkerLesezeit rund 5 Minuten

Die kurze Antwort

Eine Regel genügt: kein Geld an Menschen, die Sie nur aus dem Internet kennen.

So bringen es die Schweizerische Kriminalprävention und die Polizeikorps in ihrer Kampagne «Wahre Liebe kostet nicht» auf den Punkt. Wer zahlt, wird mit immer neuen Notfällen weiter bedrängt; wer nicht zahlt, wird meist schneller in Ruhe gelassen. Ist schon Geld geflossen: nichts mehr schicken, Anzeige erstatten, den Kontakt vollständig abbrechen.

So läuft es ab, Schritt für Schritt

Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) beschreibt einen Ablauf, der sich in fast allen Fällen wiederholt. Das Muster zu kennen ist der beste Schutz, weil jeder einzelne Schritt für sich harmlos wirkt.

  1. Die Anfrage. Ein gefälschtes Profil schreibt Sie an, auf Facebook, Instagram oder einer Partnerbörse.
  2. Die schnelle Liebe. Nach wenigen Nachrichten ist die Person verliebt. Das Gespräch wandert auf WhatsApp oder einen anderen privaten Kanal.
  3. Die gemeinsame Zukunft. Über Wochen und Monate entstehen Pläne, ein Treffen wird abgemacht.
  4. Der Notfall. Kurz vor dem Treffen kommt ein Unfall, eine Krankheit oder ein Überfall am Flughafen dazwischen. Sie sollen Behandlungs- oder Reisekosten übernehmen, per Geldtransfer oder auf ein Konto im Ausland.
  5. Die Kette. Ein Hindernis folgt auf das nächste. Zum Treffen kommt es nie.
  6. Der Druck. Zweifeln Sie, wird der Ton fordernd. Hat die Person intime Bilder, folgt oft die Erpressung.

Laut einer Medienmitteilung der SKP vom Februar 2025, die sich auf das Institut zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in Neuenburg stützt, arbeiten die Täter teils mit festen Arbeitszeiten und klaren Anweisungen. KI-Werkzeuge helfen ihnen, glaubwürdig zu schreiben und die Sprachbarriere zu überwinden.

Warnzeichen, die zusammen ein Muster ergeben

Ein einzelnes Zeichen beweist nichts. Treffen mehrere zu, ist Vorsicht angebracht.

  • Ein auffallend attraktiver, gut situierter Mensch aus einem fernen Land beginnt ohne erkennbaren Grund eine Fernbeziehung mit Ihnen.
  • Von grosser Liebe ist die Rede, bevor Sie sich je getroffen haben.
  • Das Gespräch soll rasch weg von der Plattform, auf einen privaten Kanal.
  • Jedes geplante Treffen scheitert an etwas Neuem.
  • Es geht um Geld, Gutscheine, Handys, Pakete, die Sie annehmen und weiterschicken sollen, oder um Ihr Konto.
  • Das Gespräch dreht sich auffällig oft um eine angeblich sichere Anlage, etwa in Kryptowährungen.
Ein älterer Mann steht in einem Restaurant und liest auf seinem Smartphone.
Liebesbetrug trifft Menschen in jedem Alter, nicht nur Alleinstehende im Ruhestand.

Ein Videoanruf beweist heute weniger als früher. Die SKP erinnert daran, dass im Internet alles gefälscht sein kann, auch Fotos, Filme und amtliche Dokumente.

Wenn es um eine Anlage oder um Ihr Konto geht

Nicht jeder Liebesbetrug endet mit einer Bitte um Nothilfe. Die SKP beschreibt zwei Mischformen, die häufiger werden.

Die Anlage

Nach dem Flirt erzählt die Person von einer äusserst rentablen Anlage auf einer Online-Plattform und empfiehlt Ihnen eine bestimmte Seite. Die Plattform ist gefälscht, die angezeigten Gewinne auch.

Das Konto

Die Person bittet Sie, Ihr Konto für Zahlungen oder Ihre Adresse für Pakete zur Verfügung zu stellen. Damit werden Sie zum Werkzeug für Geldwäscherei oder Hehlerei und riskieren, sich selbst strafbar zu machen. Artikel 305bis des Strafgesetzbuchs gilt auch für Menschen, die annehmen müssen, dass das Geld aus einem Verbrechen stammt.

Die zweite Welle: der angebliche Retter

Wer nicht mehr zahlen will oder kann, bekommt oft Post von angeblich seriösen Firmen, Anwälten, Detekteien oder Behörden. Sie behaupten, den Betrüger gefasst zu haben, und das Geld komme zurück, gegen eine Verwaltungsgebühr. Die SKP nennt das einen Folgebetrug: Für die angebliche Dienstleistung zahlen Sie erneut, und das Geld ist wieder weg. Reagieren Sie auf solche Angebote nicht, auch wenn sie auf Briefpapier mit Wappen kommen.

Wenn Ihre Mutter, Ihr Vater oder ein Freund betroffen ist

Das schwierigste Gespräch führen oft die Angehörigen. Betroffene wollen den Betrug lange nicht wahrhaben, weil mit dem Geld auch die Hoffnung auf eine Beziehung verloren geht. Rechnen Sie damit, dass das erste Gespräch scheitert.

  1. Ohne Vorwurf anfangen. Sagen Sie, was Sie beobachten, nicht, was die Person falsch macht.
  2. Die Regel statt des Beweises. Sie müssen nicht beweisen, dass es die Person nicht gibt. Es genügt die Abmachung: Bis zu einem echten Treffen fliesst kein Geld.
  3. Die Informationen der Polizei zeigen. Die Beschreibung der SKP auf romance-scam.ch wirkt oft stärker als Ihr Wort, weil sie den eigenen Fall Schritt für Schritt wiedergibt.
  4. Gemeinsam zur Polizei gehen und alle Angaben mitnehmen: Kontodaten, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Profilnamen.
  5. Wenn nichts hilft: Droht die Person sich zu verschulden und sieht nichts ein, können Sie sich laut SKP an die Erwachsenenschutzbehörde Ihres Kantons wenden.

Wenn Sie selbst betroffen sind

Machen Sie sich keine Vorwürfe. Die Täter sind geschult, Gefühle wie Liebe, Mitgefühl und Loyalität gezielt zu nutzen. Die Polizei sucht Kriminelle, sie bestraft keine Hoffnung.

  • Schicken Sie kein weiteres Geld und keine Güter.
  • Erstatten Sie Anzeige bei Ihrer Polizei, mit allen Angaben, die Sie haben.
  • Brechen Sie danach den Kontakt vollständig ab und blockieren Sie die Person auf allen Kanälen.
  • Reagieren Sie nicht auf «Interpol», ausländische Polizeistellen oder Opferanwälte, die sich plötzlich melden.
  • Reden Sie mit einer Vertrauensperson. Die Dargebotene Hand ist unter 143 rund um die Uhr erreichbar, anonym und vertraulich. Bei Geldsorgen hilft die Schuldenberatung Ihres Kantons.

Ein ruhiger Blick von aussen

Nach einem Liebesbetrug sind oft mehr Konten und Geräte betroffen, als man denkt. In einer Erstberatung per Videocall schauen wir mit Ihnen oder Ihren Angehörigen in 90 Minuten an, was noch gefährdet ist und was Sie zuerst tun. Kosten: CHF 220.–.

Keine Rückholung von Geld, keine Rechtsberatung, kein Ersatz für die Anzeige bei der Polizei.

Quellen dieser Seite

  1. Schweizerische Kriminalprävention, Romance Scam: skppsc.ch/de/themen/internet/romance-scam
  2. Schweizerische Kriminalprävention, Medienmitteilung «Romance Scam, Liebesbetrug im Internet», 27.02.2025: skppsc.ch/de/wp-content/uploads/sites/2/2025/02/20250227_skp_mm_romancescam_de.pdf
  3. Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 305bis, Stand 1. Oktober 2026: fedlex.admin.ch/eli/cc/54/757_781_799/de#art_305_bis
  4. Die Dargebotene Hand, 143: 143.ch

Alle Quellen wurden am 21.10.2026 auf der jeweiligen Seite gelesen. Gesetzestexte im Stand, den die Bundesverwaltung auf fedlex.admin.ch nennt.

Fragen und Antworten

Was oft gefragt wird.

Zwei Tassen Kaffee stehen auf einem Tisch.
Was ist ein Romance Scam?

Eine digitale Form des Heiratsschwindels: Betrüger bauen mit gefälschten Profilen auf sozialen Netzwerken oder Partnerbörsen eine Liebesbeziehung auf, um am Ende Geld zu erhalten. Auf Deutsch heisst das Liebesbetrug, im Englischen auch Love Scam.

Wo melde ich einen Scammer?

Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und nehmen Sie Profilnamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Kontodaten mit. Melden Sie das Profil zusätzlich bei der Plattform. Danach blockieren Sie die Person auf allen Kanälen.

Beweist ein Videoanruf, dass die Person echt ist?

Nicht mehr sicher. Die Schweizerische Kriminalprävention erinnert daran, dass im Internet alles gefälscht sein kann, auch Fotos, Filme und amtliche Dokumente. Verlässlicher bleibt die Regel: kein Geld an Menschen, die Sie nur aus dem Internet kennen.

Mein Vater glaubt mir nicht. Was kann ich tun?

Bleiben Sie im Gespräch und machen Sie keine Vorwürfe. Zeigen Sie ihm die Informationen der Polizei zur Masche und bieten Sie an, gemeinsam zum Polizeiposten zu gehen. Droht er sich zu verschulden, können Sie sich an die Erwachsenenschutzbehörde Ihres Kantons wenden.

Bekomme ich mein Geld zurück?

Selten, weil die Täter meist im Ausland sitzen. Vorsicht vor allen, die eine Rückholung gegen Gebühr anbieten: Das ist laut der Schweizerischen Kriminalprävention ein bekannter Folgebetrug.

Reden Sie darüber, bevor jemand schreibt.

Wer die Masche kennt, erkennt sie im eigenen Chat. Der Seniorenabend für Gemeinden, Vereine und Kirchgemeinden erklärt Maschen gegen ältere Menschen an Schweizer Fällen, mit einem Schutzschritt nach jedem Thema.